StartseiteSucheSitemap
 
 


Tariferhöhungen 2009 für Klinikärzte werden diesmal voraussichtlich ohne einen Streik verhandelbar sein

 

Der Marburger Bund (MB) fordert für die rund 22 000 Ärzte an Universitätskliniken (Unikas) eine durchschnittliche Gehaltssteigerung von rund 9 Prozent.


Die zweite Forderung beinhaltet eine Erhöhung der Zeitzuschläge für Überstunden, Samstags- und Nachtarbeit. Der Zuschlag für Nachtarbeit liegt derzeit bei 1,28 Euro je Stunde. Besonders wichtig ist dem MB zudem eine rasche Angleichung der Ärztegehälter im Osten der Republik an das Westniveau. Diese Angleichung ist u.a. bei den kommunalen und den privaten Krankenhäusern längst umgesetzt. Ein weiteres Ziel ist die Einbeziehung aller Ärzte in den Geltungsbereich des arztspezifischen Tarifvertrages. Bisher sind davon nur Ärzte erfasst, die überwiegend in der Patientenversorgung tätig sind. So bleiben beispielsweise Rechtsmediziner, Betriebsärzte und wissenschaftlich tätige Ärzte davon ausgeschlossen.

Nachdem der  Tarifabschluss im Jahr 2006 nicht zu einer spürbaren Einkommenssteigerung für die Ärzte an den Unika geführt hat, stagnieren die Gehälter auf dem Niveau des Jahres 2003.

Gleichzeitig hat der MB bereits mit anderen Klinikträgern Tarifverträge abgeschlossen, die zu einer klaren Verbesserung der Ärzteeinkommen geführt haben. Bei den kommunalen Krankenhäusern und den privaten Klinikketten wie etwa Helios und Sana,  verdient ein Assistenzarzt ab Mai 2009 monatlich 7,7 Prozent mehr als ein Assistenzarzt an Unikas. Die Konkurrenzunfähigkeit der Gehälter an den Unikliniken wird jedoch besonders deutlich, wenn man sie mit den Einkommen im Ausland vergleicht. Ein Facharzt in den Niederlanden erhält rund 35 Prozent und ein Facharzt in Großbritannien gar 40 Prozent mehr.

Wie die Vergangenheit gezeigt hat fördern zu niedrige Einkommen die Abwanderung der Ärzte ins Ausland und verschärfen den Ärztemangel hierzulande. Momentan können rund 4.000 offene Arztstellen in den Kliniken nicht besetzt werden. Gleichzeitig arbeiten zirka 19.000 deutsche Mediziner im Ausland. Höhere Gehälter sollen also einen Beitrag dazu leisten, die Attraktivität des Arztberufs in den Unikas zu verbessern. Dies ist auch aus Gründen des Wettbewerbs notwendig, denn gerade in Zeiten des Medizinermangels müssen die Kliniken besonders hart um Ärzte konkurrieren.

Das haben auch die Klinikbetreiber begriffen, weshalb es u.a. auch dem MB gelungen ist, mit den kommunalen und privaten Kliniken deutlich bessere Tarifverträge zu vereinbaren.

Mit der Forderung des MB gegenüber der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) bewegt sich der MB völlig im Rahmen des bereits von anderen deutschen Krankenhäusern akzeptierten Vergütungsniveaus. Es geht also nicht nur um angemessene Ärztegehälter, sondern auch um Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherung der Unikas.

Dem deutschen Gesundheitssystem und den Kliniken werden durch die Einführung des Gesundheitsfonds und zusätzliche staatliche Zuschüsse erheblich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stehen als bisher. Darüber hinaus hat der MB maßgeblich dafür gesorgt, dass den Kliniken zukünftig bis zu 50 Prozent der Tariflohnsteigerungen von den Krankenkassen refinanziert werden. Bis dato werden die Tarifsteigerungen gar nicht erstattet. Die Vorzeichen für einen angemessenen Tarifabschluss stehen also so gut wie schon lange nicht mehr.

Im Übrigen gilt auch für Ärzte, was für alle Bürger gilt: Mehr Kaufkraft fördert den Konsum und leistet einen Beitrag gegen die Krise.

In Vorbereitung der Tarifrunde 2009 hat der MB sein Ärztesprecher-Netzwerk erneut aktiviert und eine allgemeine Stimmungslage der Mediziner eingeholt.

Klar dürfte sein, dass der MB am Verhandlungstisch rasch zu einem für die Mediziner akzeptablen Lohnabschluss kommen will. Klar ist aber auch, dass sich die Ärzte an den Unikas  mögliche „tarifpolitische Spielchen“ der TdL keinesfalls gefallen lassen werden.

Es liegt also ausschließlich an den Arbeitgebern, die gut begründete Tarifforderung des MB zu akzeptieren und somit auch drohende Ärztestreiks zu vermeiden.




- Zurück zu: Übersicht
 
 
© 2013 peter milde + partner / Impressum / Standorte