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Effizienter Personaleinsatz erfordert neue Aufgabenverteilung im Krankenhaus

 

Eine verstärkte Übertragung ärztlicher Tätigkeiten an andere medizinische Berufsgruppen ist für Kliniken, die im immer härter werdenden Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben wollen, unumgänglich geworden.


Unsere Studien- und Projektergebnisse haben gezeigt, dass von einer Übertragung  ärztlicher Tätigkeiten auf nicht-ärztliche Berufsgruppen positive Effekte auf einen effizienten Mitteleinsatz im Krankenhaus ausgehen können.

Die bisherigen Erfahrungen mit den Kliniken zeigen, dass es dabei zu einer Entlastung des ärztlichen Dienstes kommt, ohne dass dadurch die Qualität der Krankenhausleistungen abnimmt.

Die Palette übertragbarer Tätigkeiten reicht nach Angaben der untersuchten Krankenhäuser vom Standardrepertoire delegierbarer Leistungen (z.B. Verbandswechsel, Anlegen von Infusionen, venöse Blutentnahme) über das Legen von Sonden, Kathetern oder peripheren venösen Zugängen bis hin zu Funktionsuntersuchungen (z.B. Ultraschall, EKG). Zudem nannten die befragten und von uns evaluierten Kliniken komplexe Tätigkeiten wie z. B. die des Case-Managements als mögliche übertragbare Tätigkeit.

Die anfänglichen Befürchtungen des Klinkpersonals, dass mit einer Neuordnung eine kompetente, qualifizierte und lückenlose Betreuung der Patienten nicht mehr sichergestellt werden könne, konnte im Rahmen unserer Umsetzungsbegleitungen regelmäßig wiederlegt werden.

Unsere Ergebnisse haben darüber hinaus gezeigt, dass Qualifikationsmaßnahmen für die Berufsgruppen, denen zusätzliche Aufgaben übertragen werden, besonders wichtig sind. Derartige Maßnahmen umfassen allerdings  tätigkeitsbezogene Einweisungen, Schulungen, innerbetriebliche Fortbildungen bis hin zu einer mehrjährigen Weiterbildung. Je komplexer die Aufgabenübertragung ist, desto höher ist unter Berücksichtigung der Grundausbildung der Qualifikationsbedarf. Insbesondere die zielgerichtete Fortentwicklung der Weiterbildungsgänge für die Krankenpflege könnte die Übertragung ärztlicher Aufgaben wesentlich erweitern und neue Qualitätsmaßstäbe setzen.

Ein veränderter Ressourceneinsatz angesichts der Rahmenbedingungen für die Krankenhäuser ist dringender als je zuvor.
Bereits heute besteht bei den Kliniken ein erheblicher Wettbewerbsdruck und der gesetzliche Zwang zu weiteren Einsparungen. Gleichzeitig verschärft die demographische Entwicklung mit einer schnell wachsenden Zahl von älteren multimorbiden und chronisch kranken Patienten die Nachfrage nach stationären Behandlungsleistungen. Der steigende Bedarf an Ärzten wird in absehbarer Zeit nicht mehr vom deutschen Arbeitsmarkt gedeckt werden können. Hinzu kommt, dass die Absolventenzahlen im Fach Humanmedizin seit Jahren rückläufig sind und Mediziner zunehmend in andere Berufsfelder abzuwandern.

Darüber hinaus hat sich die ärztliche Arbeit durch die Tarifabschlüsse im Jahr 2006 durchschnittlich um 13 Prozent verteuert, ohne dass eine Refinanzierung der Personalmehrkosten auch nur ansatzweise erfolgt ist. Auch die aktuellen Abschlüsse für die Ärzte und die nicht-ärztlichen Berufsgruppen an den kommunalen Kliniken mit einem Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Euro für 2008 und 2009 werden zu einem neuen Kostenschub in den Kliniken führen. Vor diesem Hintergrund müssen die Kliniken – um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben - verstärkt über die effiziente Nutzung der bestehenden Personalressourcen nachdenken.

Der Gesetzgeber hat im Pflege-Weiterentwicklungsgesetz bereits erste Weichenstellungen für eine Neuordnung ärztlicher Tätigkeiten vorgenommen. Die Änderungen ermöglichten künftig die Delegation ärztlicher Aufgaben, insbesondere in der Häuslichkeit der Patienten bei Abwesenheit des Arztes. Diese Entwicklung wird auf Dauer nicht vor den Toren der Klinken halt machen. Eine Neuorganisation muss aber mit dem erforderlichen Augenmaß vorgenommen werden. Es geht hierbei nicht um die Infragestellung des Arztberufes, sondern um die Entlastung der Krankenhausärzte bzw. die Organisation einer arbeitsteiligen Medizin. Diagnostik, Differentialdiagnostik und Therapie werden immer Kernbereich der ärztlichen Tätigkeit bleiben. Dennoch müssen die Krankenhäuser auch neue Wege gehen. Modellvorhaben für eine Neuorganisation in den Kliniken sollten daher zügig erprobt werden.

Gleichzeitig muss der Gesetzgeber mit Nachdruck dazu aufgefordert werden, für etablierte neue Berufsbilder, wie etwa die des Operationstechnischen Assistenten (OTA), eine gesetzliche Grundlage zu schaffen. Seit mehr als 10 Jahren hat sich die von der  Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) entwickelte Ausbildung bewährt und wird inzwischen stark nachgefragt. Die Forderung der Gesundheitsministerkonferenz der Länder (GMK) an das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), die OTA-Ausbildung bundeseinheitlich zu regeln und die Finanzierung der Ausbildungskosten im Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG), sollte deshalb zeitnah durch die dafür Verantwortlichen sichergestellt werden.

Die Diskussion um die Neuordnung ärztlicher Tätigkeiten findet zur Zeit in einem sensiblen Umfeld statt. Das Beharren auf berufs- und standespolitischen Positionen bringt weder die davon Betroffenen noch die Kliniken weiter.

Die ersten Reaktionen der Pflegeverbände auf die Studie des Deutschen Krankenhausinstitutes (DKI) sind bisher positiv ausgefallen. Auch in der Ärzteschaft wird die Fragestellung auf dem kommenden Deutschen Ärztetag im Mai aufgegriffen.




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